Kinder, wie die Zeit vergeht! Pfingsten 2021

vom von Peter Bulthaup, Kategorie: Veranstaltungen

Jetzt sind es schon drei Monate her seit dem letzten Update. Seitdem ist eine Menge passiert, der Reihe nach und in Häppchen:
Corona spielt im Alltag keine große Rolle. Wenn Masken getragen werden dann meistens unter dem Kinn. Nur die tägliche Pressekonferenz zur Corona Lage findet unbeirrt statt. (Davon scheint eine Menge internationaler Hilfsgelder zur Bewältigung der Corona Epidemie und deren Folgen im Land abzuhängen. Nun ja…

Es sind schon apokalyptische Bilder, die da nach dem Brand im Slum von „Susans Bay“ zu sehen sind. Einige internationale NGO’s haben Hilfe und Spenden generiert. Wie immer werden auch von der Regierung vollmundige Ankündigungen zur schnellen Hilfe gemacht…
Aber es wird im wesentlichen wohl immer so sein wie es immer war: die Menschen werden die Reste durchsuchen und an gleicher Stelle wieder Verschläge bauen, die dann, Stück für Stück, in bewohnbarere Behausungen aufgehübscht werden.
Wohin auch mit all diesen Menschen? Die von der Regierung angebotenen Alternativen sind weit weg, ohne realistische Möglichkeit den Lebensunterhalt zu verdienen.

https://www.theguardian.com/environment/2021/may/17/sierra-leone-sells-rainforest-for-chinese-fishmeal-plant?CMP=twt_a-global-development_b-gdndevelopment (Bitte öffnen)

Die Regierung Sierra Leones hat ca. 120 ha Land im südlichen Teil der Western Area am „Black Johnson Beach“ an ein chinesisches Konsortium verkauft. Gebaut werden soll dort, je nach Quelle eine Fischmehlfabrik oder „nur“ ein Fischereihafen. Der Strand ist einer der tollen Sandstrände entlang der Westküste.
Das Hinterland von "Black Johnson Beach" war bis in die 2000er Jahre tropischer Regenwald! Kaum vorstellbar, aber wahr. Mit dem Ausbau der Peninsula Road begann die ökonomische Erschließung (Ausbeutung) der südlichen Peninsula, inclusive Rodung und Grundstücks Spekulation.
Die Errichtung einer Fischmehlfabrik oder auch nur Fischereihafen (wie es der Handelsattaché der chinesischen Botschaft in Freetown nennt) ist eigentlich nur der konsequente Schlußpunkt der kompletten Zerstörung einer ganzen Region. Mit fatalen Folgen für Mensch, Umwelt, Wasserversorgung, lokaler Fischerei, der Proteinversorgung der Bevölkerung und nicht zuletzt des Tourismus.... Dagegen regt sich jetzt Widerstand!

Der Schulbetrieb läuft wie gewohnt. Aufgrund der zu vielen Schüler findet der Unterricht jetzt auch im, noch nicht fertiggestellten Schulleiterhaus statt, oder es müssen drei Schüler auf einer Schulbank sitzen die nur für zwei konzipiert ist. Das ist natürlich kein Zustand auf Dauer.
Leider gestaltet sich die Zusammenarbeit seit dem Ausscheiden von Francis Palmer ausgesprochen schwierig. Die Personen die die Geschicke des YDP jetzt leiten ( oben rechts nach unten links: Erickson Sam Sosokoneh, , Gibrila Bangura , Fallah Senesie, Joseph Lefevre, David Kainessie,) sind zwar bemüht, aber immer wieder gibt es Differenzen bei der Umsetzung von Mindeststandards in Buchführung, Mitarbeiterführung, Kommunikation, Eigenbeteiligung (Ko-Finanzierung durch School Fees, Verwendung von Erlösen aus Nachhilfeangeboten, finanzielle Unterstützung durch die YDP Mitglieder oder uneigennütziger Mithilfe bei der Umsetzung ) des YDP an Maßnahmen und Mitsprache unsererseits. Auch da muss sehr schnell mehr Professionalität her, da die bisherigen Prozedere sehr ermüdend sind…
Das klappte mit Francis und seinem Team in allen Bereichen deutlich entspannter.
Fallah Senesie ist weitgehend von den Folgen seines Motorradunfalls genesen, lediglich Nackenschmerzen machen ihn zeitweise zu schaffen.
Jeneba ist soweit wieder fit. Ich kann nur hoffen, das ihre Mutter den gesendeten Ratschlägen zur Prophylaxe und Abschwächung der Symptome der SCD folgt, und nicht wartet bis aufwendige Maßnahmen wie Bluttransfusionen nötig werden.
Dico Daniel, der togolesische „Caretaker“ (Hausmeister) der Schule hat einen Leistenbruch erlitten und muss so schnell wie möglich operiert werden.
Positiv: 6 Schüler und 9 Schülerinnen der SPS werden die NPSE (national primary school exams) am 28-05-2021 ablegen und hoffentlich ähnlich erfolgreich wie im letzten Jahr sein.
Die Fortbildung von vier Lehrern konnte, nach vielem Hin und Her mit der neuen Administration des YDP, abschließend für das erste Jahr finanziert werden. Die betroffenen Lehrer Komba Momorie, Hawanatu Bangura, Ibrahim Mansaray und Fallah Senesie bedanken sich auf diesem Wege ganz herzlich.
Der Spielplatz ist renoviert worden.
Zum ersten Mal ist der Brunnen, der gerade um mehrere Meter vertieft worden ist, Anfang Mai trocken gefallen. Damit hat die Schule temporär keine eigene Wasserversorgung. Das Wasser muss jetzt zugekauft werden, da auch eine nicht allzu weit entfernte Quelle salzig geworden ist. Das ist eine direkte Folge der unkontrollierten Abholzung des Regenwaldes im Hinterland von Kissi Town. Alle Bemühungen der Schule auf die Folgen aufmerksam zu machen, blieben ohne Anerkennung. Da jetzt die Regenzeit beginnt wird das Problem zunächst bis zum nächsten Frühjahr vertagt, aber was dann?
Eine Schülerin hat die Kappe eines Stiftes verschluckt. Leider ist die Kappe nicht bis in den Magen durchgerutscht sondern hat sich in der Speiseröhre verhakt. Da den Betroffenen die notwendige OP in Freetown zu teuer war, ist man nach Conacry, der Hauptstadt von Guinea, ca 300km und mindestens sechs Stunden Fahrt von Kissi Town entfernt, ausgewichen. Dort ist das Mädchen in einer chinesischen Klinik erfolgreich operiert worden, musste aber noch mehrere Tage dort bleiben.
Mehr später…
Liebe Grüße

Andreas